Porträt von Michael Kienzler
Über den Autor: Michael Kienzler

Michael Kienzler ist Partner und Gründer von OLDSCHOOLSEO. Seine Arbeit beginnt bei der Analyse der technischen Architektur und der Daten, um daraus die Potenziale für die redaktionelle und strategische Weiterentwicklung abzuleiten.

Kognitive Verzerrungen im Content: Psychologie für Redakteure

Was sind kognitive Verzerrungen (Cognitive Biases)?

Antwort: Kognitive Verzerrungen sind systematische Neigungen im menschlichen Denken, Wahrnehmen und Urteilen. Sie basieren auf Heuristiken (mentalen Abkürzungen), die dem Gehirn helfen, Entscheidungen zu treffen, was zu unlogischen Schlussfolgerungen führen kann.

Warum sind kognitive Verzerrungen für Redakteure relevant?

Antwort: Die Kenntnis kognitiver Verzerrungen ist relevant, da sie die Art beeinflussen, wie Nutzer Informationen aufnehmen, bewerten und darauf reagieren. Durch die bewusste Anwendung dieser Prinzipien können Redakteure die Verständlichkeit, Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft ihrer Inhalte beeinflussen.

Welche kognitiven Verzerrungen können in Inhalten angewendet werden?

Antwort: Drei anwendbare Effekte sind:

  1. Social Proof (Soziale Bewährtheit): Menschen orientieren sich am Verhalten anderer.
  2. Anchoring Effect (Ankereffekt): Die erste Information dient als Referenzpunkt für nachfolgende Urteile.
  3. Framing Effect (Deutungsrahmen-Effekt): Die Art der Präsentation einer Information beeinflusst die Entscheidung.

Wie wird "Social Proof" in Texten genutzt?

Antwort: Social Proof wird durch Elemente erzeugt, die eine Akzeptanz durch Dritte signalisieren. Beispiele sind:

  • Kunden-Testimonials: Zitate von Kunden.
  • Zahlen und Daten: "10.000 Nutzer verwenden diese Lösung."
  • Experten-Zitate: Meinungen von Autoritäten der Branche.

Wie funktioniert der "Anchoring Effect" bei der Informationsdarstellung?

Antwort: Der Ankereffekt wird genutzt, indem ein initialer Wert (der Anker) präsentiert wird, um nachfolgende Informationen in Relation zu setzen. Ein Beispiel ist die Preisdarstellung: Ein durchgestrichener Originalpreis (Anker) lässt den Verkaufspreis geringer erscheinen.

Wie wird "Framing" zur Kontextualisierung von Informationen eingesetzt?

Antwort: Framing beeinflusst die Wahrnehmung durch die Formulierung. Eine Information kann unterschiedlich "gerahmt" werden:

  • Positives Framing: "Das Produkt hat eine Erfolgsquote von 90%."
  • Negatives Framing: "Bei 10% der Anwendungen tritt kein Erfolg ein." Obwohl beide Aussagen denselben Sachverhalt beschreiben, wird die positive Formulierung tendenziell bevorzugt.

Wo liegen die ethischen Grenzen beim Einsatz dieser Techniken?

Antwort: Die ethische Grenze ist überschritten, wenn diese Techniken zur Täuschung oder Manipulation eingesetzt werden. Dies ist der Fall, wenn Social-Proof-Signale gefälscht, Ankerpreise unrealistisch sind oder das Framing Fakten verzerrt, um eine für den Nutzer nachteilige Entscheidung zu begünstigen.

Was ist die Schlussfolgerung für die redaktionelle Praxis?

Antwort: Das Wissen um kognitive Verzerrungen ist eine Methode zur Optimierung der Kommunikation. Der ethische Einsatz zielt darauf ab, die Verständlichkeit zu erhöhen und dem Nutzer Entscheidungshilfen auf Basis wahrer Fakten zu geben. Redakteure tragen die Verantwortung, diese Prinzipien nicht zur Irreführung, sondern zur Steigerung der Klarheit und "Helpfulness" ihrer Inhalte zu verwenden.

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