Was bedeuten Lesbarkeit und Verständlichkeit im Kontext von Texten?
Lesbarkeit bezieht sich auf die formalen und typografischen Eigenschaften eines Textes, die das Lesen erleichtern. Dazu gehören Aspekte wie Schriftart, Schriftgröße, Zeilenabstand, Kontrast und die Gliederung durch Absätze und Überschriften. Sie beschreibt, wie mühelos das Auge den Text erfassen kann.
Verständlichkeit bezieht sich auf die inhaltliche und sprachliche Ebene. Ein Text ist verständlich, wenn der Leser dessen Inhalt ohne übermäßige kognitive Anstrengung erfassen und nachvollziehen kann. Dies wird durch Faktoren wie Satzlänge, Wortwahl (z. B. Verzicht auf Fremdwörter), Satzbau und die logische Struktur der Argumentation beeinflusst.
Warum ist die Lesbarkeit für Online-Inhalte und SEO relevant?
Die Lesbarkeit ist ein wesentlicher Faktor für die Nutzererfahrung (User Experience) auf einer Webseite. Gut lesbare und verständliche Texte binden die Aufmerksamkeit der Nutzer, reduzieren die Absprungrate (Bounce Rate) und erhöhen die Verweildauer. Diese Nutzersignale werden von Suchmaschinen wie Google als Indikatoren für qualitativ hochwertige Inhalte interpretiert und können sich positiv auf das Ranking auswirken. Ein verständlicher Text stellt zudem sicher, dass die vermittelte Botschaft die Zielgruppe erreicht und die gewünschten Handlungen (z. B. Konversionen) auslöst.
Was ist der Flesch-Reading-Ease-Index?
Der Flesch-Reading-Ease (FRE) ist eine Formel zur Messung der Lesbarkeit eines Textes. Der Index wurde von Rudolf Flesch entwickelt und bewertet die Verständlichkeit auf einer Skala von 0 bis 100. Ein hoher Wert steht für eine leichte Lesbarkeit, ein niedriger Wert für einen schwer verständlichen, akademischen Text. Die Berechnung für die deutsche Sprache basiert auf zwei Variablen:
- →Durchschnittliche Satzlänge (ASL): Die Anzahl der Wörter geteilt durch die Anzahl der Sätze.
- →Durchschnittliche Silbenanzahl pro Wort (ASW): Die Anzahl aller Silben geteilt durch die Anzahl aller Wörter.
Die Formel für den deutschen Flesch-Reading-Ease lautet: FRE = 180 – ASL – (58,5 ä— ASW).
Wie werden die Werte des Flesch-Reading-Ease interpretiert?
Die Werte des Flesch-Index lassen sich in Verständlichkeitsstufen einteilen:
- →90–100: Sehr leicht verständlich. Geeignet für eine sehr breite Zielgruppe.
- →60–70: Einfach bis normal verständlich. Entspricht dem Niveau von Unterhaltungsliteratur oder populären Magazinen. Dies ist ein guter Zielwert für die meisten Web-Texte.
- →30–50: Eher schwierig verständlich. Typisch für Fachtexte oder akademische Publikationen.
- →0–30: Sehr schwer verständlich. Oft im juristischen oder wissenschaftlichen Bereich zu finden.
Der Index dient als quantitativer Anhaltspunkt, um die Komplexität eines Textes objektiv zu bewerten.
Welche weiteren Methoden zur Messung der Verständlichkeit gibt es?
Neben dem Flesch-Index existieren weitere Modelle zur Bewertung der Textverständlichkeit:
- →Wiener Sachtextformel: Eine weitere Formel, die auf Satzlänge und dem Anteil langer (mehrsilbiger) Wörter basiert und eine Einstufung in Schulstufen vornimmt.
- →Hamburger Verständlichkeitsmodell: Ein qualitatives Modell, das einen Text anhand von vier Dimensionen bewertet: Einfachheit (Wortwahl, Satzbau), Gliederung/Ordnung (logischer Aufbau), Kürze/Prägnanz (Fokussierung auf das Wesentliche) und anregende Zusätze (rhetorische Mittel).
- →Hohenheimer Verständlichkeitsindex: Ein computerlinguistisches Verfahren, das eine Vielzahl von Textmerkmalen analysiert, um die Verständlichkeit zu bewerten.
Welche Tools können zur Analyse der Lesbarkeit eingesetzt werden?
Für die Analyse der Lesbarkeit stehen verschiedene digitale Werkzeuge zur Verfügung:
- →Online-Textanalyse-Tools: Web-Anwendungen, in die man einen Text kopieren kann, um sofort eine Auswertung nach verschiedenen Lesbarkeitsformeln (z. B. Flesch-Index) zu erhalten. Beispiele sind die Wortliga-Textanalyse oder der Flesch-Index-Rechner von content-marketing.com.
- →SEO-Tools: Umfassende SEO-Suiten wie Yoast SEO (als Plugin für WordPress) oder SEMrush bieten integrierte Funktionen zur Lesbarkeitsanalyse direkt im Editor.
- →Textverarbeitungsprogramme: Einige Schreibprogramme, wie Microsoft Word, enthalten ebenfalls eine Funktion zur Prüfung der Lesbarkeit, die nach der Rechtschreibprüfung aufgerufen werden kann.
Wie können Texte konkret für eine bessere Lesbarkeit optimiert werden?
Die Optimierung der Lesbarkeit und Verständlichkeit erfolgt durch gezielte Anpassungen auf sprachlicher und struktureller Ebene:
- →Sätze kürzen: Lange, verschachtelte Sätze in mehrere kurze Hauptsätze aufteilen.
- →Einfache Wortwahl: Fachjargon und Fremdwörter vermeiden oder bei Bedarf erklären. Nominalisierungen (Substantivierungen von Verben) auflösen (z. B. „eine Prüfung durchführen“ ersetzen durch „prüfen“).
- →Aktive Sprache verwenden: Aktivsätze sind in der Regel direkter und verständlicher als Passivkonstruktionen.
- →Struktur schaffen: Den Text durch kurze Absätze, Zwischenüberschriften, Aufzählungen und Fettungen visuell gliedern.
- →Füllwörter streichen: Unnötige Wörter, die keine Information transportieren (z. B. „eigentlich“, „gewissermaßen“), entfernen.
- →Direkte Ansprache: Die Zielgruppe direkt ansprechen, um eine persönliche Verbindung herzustellen und die Aufmerksamkeit zu erhöhen.
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